Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Suche
Produktsuche
Bildungsort
Bildungsart
Betriebliches Bildungsmanagement
Internationale Bildung
Betriebliches Gesundheitsmanagement
Programme und Projekte
Ausschreibungen
Virtuelles Lernen
Ausbildung und Umschulung
Berufsorientierung und Berufswahl
Beruflicher Aufstieg
Berufliche Weiterbildung
Sprache-Beruf-Integration
Coaching und Kompetenzfeststellung
Berufliche Rehabilitation
Akademische Bildung
Berufsfeld
Bau, Architektur, Vermessung
Elektro, Energie, Ver- und Entsorgung
Dienstleistung
Gesundheit
Wirtschaft, Verwaltung
Landwirtschaft, Natur, Umwelt
Medien
Technik, Technologiefelder
Soziales, Pädagogik
Verkehr, Logistik
Naturwissenschaften
Gesellschafts-, Geisteswissenschaften
Metall, Maschinenbau
Produktion, Fertigung
IT, Computer
Kunst, Kultur, Gestaltung
Zeitraum

Bildung gut finden
Ihre Ansprechpartnerin:
Marion Hantke

Mail presse@s-b-h.de

Stiftung Bildung & Handwerk
Waldenburger Straße 19
33098 Paderborn

Corona-Virus (COVID-19) führt zu landesweiten Schulschließungen in Vietnam

Die Schulschließungen aufgrund des Corona-Virus betreffen auch unsere International German School IGS in Vietnam. Die IGS bleibt vorerst geschlossen, der Unterricht fällt aber nicht aus, sondern wird online fortgesetzt. Wie genau das funktioniert, erklärt Schulleiter Dirk Thormann.
Corona-Virus (COVID-19) führt zu landesweiten Schulschließungen in Vietnam

Damit die Schüler trotzdem am Unterricht teilnehmen können, unterrichten die Lehrer im Online-Klassenzimmer

Es ist Sonntag, 19:10 Uhr. In einer E-Mail bestätigte sich das, was bereits in den sozialen Netzwerken kursierte: Um eine Ausbreitung des neuartigen Corona-Virus zu vermeiden, bleiben die Schulen in Vietnam für eine Woche geschlossen. Alle Lehrkräfte waren am Montag um 9:30 Uhr zum Krisenmeeting geladen. Schnell war klar, der Unterricht findet online statt. Neben einem Krisenstab wurden die Mitglieder der Online-Task Force vorgestellt. Die bereits im regulären Unterricht etablierten virtuellen Klassenräume wurden von den Lehrkräften mit Lehrvideos, Anleitungen und anderen Materialien ausgestattet, Stundenpläne wurden angepasst. Ein kurzes Tutorial für die Nutzung einer Konferenzschaltung wurde von der EdTech-Beauftragten der Schule durchgeführt. Innerhalb eines Tages stellten die Lehrkräfte ihre Unterrichtspläne auf igs-online um. Der Unterricht im Fach Internet Communication Technology (ICT) findet an der IGS ab Klassenstufe 3 statt. Während die Schüler in der 7. Klassenstufe bereits über solide ICT-Kenntnisse verfügen und somit nahezu alle Unterrichtsstunden auf Online-Unterricht umgestellt werden konnten, waren in den Klassenstufen 1-6 Anpassungen notwendig. In den unteren Jahrgangsstufen war es erforderlich, den Online-Unterricht methodisch stärker zu begleiten und durch Eltern oder Geschwister zu Hause zu unterstützen. Eltern und Schüler erhielten Anleitungen für den Online-Schultag. Darin hieß es: Ein ruhiger Arbeitsplatz, eine stabile Internetverbindung, Notebooks oder Computer (kein Mobiltelefon) seien bereitzustellen.

Am Dienstag war es dann endlich soweit. Über einen Click auf dem Online-Stundenplan gelangten die Schüler der Klassen 7-10 ins virtuelle Klassenzimmer ihres Klassenlehrers. Einige Schüler gestanden, dass sie nachts vor Aufregung kaum schlafen konnten. In den unteren Klassenstufen erhielten die Schülerinnen und Schüler Aufgaben und Erklärvideos der Lehrkräfte. Die Aufgabe der Eltern bestand darin, die gelösten Aufgaben abzufotografieren und an die Lehrenden zurückzusenden. Klassen, die bereits vorher mit Anwendungen wie Seesaw arbeiteten, waren hier klar im Vorteil. Wie auf dem Schulcampus bewegten sich die Schüler von Klassenraum zu Klassenraum. Das nächste Klassenzimmer war nur einen Klick entfernt. Lange Laufwege gab es also nicht. Anwesenheit und Unterrichtsinhalt wurden, wie sonst auch, im elektronischen Klassenbuch vermerkt. Während des Unterrichts sowie zu den Zeiten des IT-Unterrichts stand den Schülerinnen und Schülern der Help-Desk zur Verfügung. Der IT-Helpdesk-Lehrer war in allen Klassenräumen eingeloggt und konnte jederzeit unterstützen. Darüber hinaus stand der IT-Verantwortliche während der gesamten Unterrichtszeit für technische Fragen zur Verfügung. Das Feedback nach dem ersten Tag war überwältigend positiv. Einige Schüler, die sich im Unterricht sonst eher zurückhaltend zeigten, beteiligten sich jetzt plötzlich aktiver; andere Schüler, denen konzentriertes Arbeiten sonst schwerfällt, zeigten sich im Online-Unterricht mitunter sehr fokussiert. Dennoch galt es einige methodische Herausforderungen zu meistern: Einige Lehrer bemerkten, dass sie von ihren Schülern aus dem Klassenraum „geklickt“ wurden. 

Außerdem musste das An- und Ausschalten der Mikrofone koordiniert werden, um Hintergrundgeräusche und Stimmengewirr zu vermeiden. Typische sprachliche Wendungen aus dem Klassenzimmer funktionieren online nicht: Wer hat seine Hausaufgaben nicht erledigt? Auf diese Frage antworteten mehrere Schüler mit „ich.“ Wer diese Schüler waren, konnte man online nicht ohne die Chatfunktion oder entsprechende Apps ermitteln. Aufforderungen, wie: „Hebt die Hand, wenn ihr etwas nicht verstanden habt.“ ergeben keinen Sinn, da sich die Reaktion auf 18 kleinen Bildschirmfenstern nicht effizient sichtbar machen lässt. Der Einsatz entsprechender Apps ist hier hilfreich. Das Klassenzimmer ist normalerweise ein geschützter Raum. Im virtuellen Klassenzimmer muss mit Störungen gerechnet werden. Mitunter erscheinen Eltern, Geschwister oder Freunde im Hintergrund und lenken manchmal vom Lerngeschehen ab.

Die Schulschließungen gingen in die zweite Woche. Dem Feedback der Eltern entnahmen wir, dass die Bildschirmzeiten zu lang waren, insbesondere, wenn die Kinder nach ihrem Online-Schultag zum Mobiltelefon griffen und zusätzliche Zeit online verbrachten. Mit einem gezielten Methodenwechsel, d. h. Arbeitsphasen ohne Bildschirm und gezielte Übungen in den online vermittelten Sportstunden, wurde versucht, den Unterricht ausgewogener zu gestalten.

Es kann festgestellt werden:

  1. Ohne die bei Schülern und Lehrkräften vorhandenen Kompetenzen aus dem ICT-Unterricht sowie die flächendeckende Nutzung von EdTech während des regulären Schulalltags wäre eine Umstellung auf den Online-Unterricht in dieser Form nicht möglich gewesen.
  2. Der Online-Unterricht setzte eine sehr gute Kenntnis der Schüler aus dem regulären Schulunterricht voraus, um Lehreinheiten zielgerichtet planen und unterstützen zu können.
  3. Der Online-Unterricht erfordert ein methodisches Vorgehen, welches sich vom regulären Unterricht unterscheidet. Dies gilt für Vermittlung, Interaktion, aber auch für die Bewertung von Lernleistungen. Von den Schülern verlangt der Unterricht ein hohes Maß an Selbstorganisation.
  4. Einige Schüler zeigten im Online-Unterricht eine höhere Konzentration und beteiligten sich aktiver am Unterrichtsgeschehen. Gerade in Klassen mit höheren Schülerzahlen ist es jedoch schwierig, anspruchsvolle Interaktionsformen zu ermöglichen.
  5. Zuverlässige technische Voraussetzungen und technischer Support sind grundlegende Erfolgsfaktoren für die Umsetzung.

Bei Krisen dieser Art stellt der Online-Unterricht insbesondere in der Mittel- und Oberstufe eine gute Möglichkeit zur Fortsetzung des Unterrichts dar. Dennoch wird schnell deutlich, dass Schule weit mehr als den Austausch von Fakten oder den Erwerb einfacher Kompetenzen leistet. Der menschliche Austausch, das gemeinsame Erarbeiten, eine individuelle Begleitung oder auch die Anschauungsbildung, z. B. durch Versuche, fehlten Lernenden und Lehrenden gleichermaßen.


Dieses Video gibt einen Einblick, wie der Online-Unterricht aussieht.

Ihre Ansprechpartnerin:
Marion Hantke

Mail presse@s-b-h.de

Stiftung Bildung & Handwerk
Waldenburger Straße 19
33098 Paderborn
Ihre Ansprechpartnerin:
Marion Hantke

Mail presse@s-b-h.de

Stiftung Bildung & Handwerk
Waldenburger Straße 19
33098 Paderborn